Zweispaltig

Seehunde in Niedersachsen

 

Welpe ist nicht gleich Heuler: Beim Umgang mit den Jungtieren gibt es einiges zu beachten.

Von Anfang Juni bis Mitte Juli kommen in der Regel die Seehundwelpen zur Welt. Traditionell ist dies auch die Zeit, in der die ersten Heuler in die Seehundstation Nationalpark-Haus in Norden-Norddeich eingeliefert werden. Nicht selten ist es der Mensch, der die Jungtiere der Seehunde erst zu Heulern macht. Die Landesjägerschaft Niedersachsen e.V. (LJN) nimmt die in Niedersachsen gestarteten Sommerferien zum Anlass, um auf die wichtigsten Verhaltensregeln hinzuweisen.

„Als Heuler werden Jungtiere bezeichnet, die aufgrund von Störungen den Kontakt zu ihrer Mutter verloren haben. Ihr lautes Klagen, das Heulen, sind Rufe nach ihr und haben so zu der Namensgebung geführt“, so Dr. Peter Lienau, Leiter der Seehundstation Nationalpark-Haus. Solche Störungen können verschiedene Gründe haben: Wetterbedingt kann es z. B. bei starken nordwestlichen Winden, Sturmfluten oder Sommergewittern passieren, dass das Jungtier von der Mutter getrennt wird. Starke Strömungen, Wellengang und lauter Wind tragen dazu bei, dass die Mutter ihr Junges trotz ausgiebiger Suche nicht wieder findet.

Nicht selten sind Störungen aber eben auch auf menschliches Fehlverhalten – oftmals aus falsch verstandener Tierliebe oder Unkenntnis zurückzuführen: „Es ist nicht außergewöhnlich am Strand auf einen Seehund zu treffen, man befindet sich quasi in seinem Schlafzimmer. Freilich ist nicht jedes Tier auf Hilfe angewiesen. Normalerweise benötigen Jungtiere zu dieser Zeit und nur dann unsere Hilfe, wenn sie dauerhaft von der Mutter getrennt wurden“, so der Leiter der Seehundstation. Jeder Fund müsse daher individuell geprüft werden.

Hier beginnt die Arbeit der ehrenamtlichen Wattenjagdaufseher: Jäger, die sich im Rahmen eines zusätzlichen mehrtägigen Lehrgangs, Spezialwissen aneignen und sich am Ende einer umfangreichen Prüfung unterziehen. Aufgrund ihres Fachwissens sind sie in der Lage zu entscheiden, ob ein Seehundwelpe Hilfe benötigt. So ja, sammeln sie verwaiste Heuler ein und bringen Sie zur Seehundstation: Hier werden sie fit gemacht für die Wiederauswilderung in der Nordsee. Seehunde werden nicht bejagt, unterliegen als Tierart aber dem Jagdgesetz und unterstehen daher dem Aufgabenbereich der Jäger.

„Eine der wichtigsten Aufgaben unserer Station ist neben der Aufnahme, Pflege und Wiederauswilderung der Seehunde und verschiedener Forschungsansätze daher die Aufklärungsarbeit und Information der Touristen“, so Lienau mit Blick auf die ersten eingelieferten Heuler in diesem Jahr. Die Initiative für die Seehundstation in Norden-Norddeich ging Ende der 60er Jahre, als es zu einem massiven Rückgang der Seehundbestände kam, auf Engagement zweier örtlicher Jäger zurück. Die Landesjägerschaft Niedersachsen stellte Anfang der 1970er die finanziellen Mittel zur Gründung der Seehundstation zur Verfügung. Seit 1978 finanziert sich die Seehundstation komplett autark aus Eintrittsgeldern und Spenden.

Bis heute unterstützen die Jäger die Arbeiten zum Seehund: In der Seehundstation wird aktiv im Vorstand mitgearbeitet und neue Forschungsvorhaben initiiert. Aber auch werden z.B. die jährlichen Zählflüge – seit dem Jahr 1972 wird vom Flugzeug aus gezählt – die einen Überblick über die Bestandszahlen in Niedersachsen geben, aus Jagdabgabemitteln des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz gefördert. Seit 1958 wird der Seehundbestand in Niedersachsen dokumentiert. Seit dem Jahr 2005 koordiniert das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) das jährliche Seehundmonitoring. Nach den durch das Staupevirus ausgelösten drastischen Bestandrückgängen in den Jahren 1988 und 2002 bzw. durch das Grippevirus im Jahr 2014, hat sich der Seehundbestand in Niedersachsen in den vergangenen Jahren kontinuierlich auf hohem Niveau stabilisiert.

 

 

Über die vielfältigen Aufgaben der ehrenamtlichen Wattenjagdaufseher informierte der NDR kürzlich ausführlich in seiner Reihe NaturNah am Beispiel der Wattenjagdaufseher auf Borkum:

https://www.ndr.de/fernsehen/Wildes-Borkum,naturnah1290.html

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