Rotwild (Cervus elaphus)
Rotwildgenetik
Zum 1. Juni 2025 startete in Niedersachsen ein Projekt zur Untersuchung der genetischen Situation des Rotwildes. Projektpartner sind die Universitäten Gießen und Göttingen, die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover sowie die Landesjägerschaft Niedersachsen. Ziel ist es, die genetische Vielfalt und Vernetzung der Rotwildpopulationen in Niedersachsen zu erfassen und wissenschaftlich zu bewerten.
Für die Untersuchungen werden insgesamt rund 2.000 Proben benötigt, wobei aus jeder Teilpopulation mindestens 60 Proben vorliegen sollen. Dank der großen Unterstützung der niedersächsischen Jägerinnen und Jäger konnte bereits im ersten Projektjahr ein bedeutender Erfolg erzielt werden: Bis Ende Juli 2026 wurde bereits knapp die Hälfte der benötigten Proben eingesendet. Diese werden derzeit im Labor der Justus-Liebig-Universität Gießen genetisch analysiert.
Für das nun begonnene zweite Projektjahr werden insbesondere noch Proben aus folgenden Regionen gesucht:
- - Lüchow-Dannenberg
- - Gifhorn/Helmstedt
- - westlich der A7 zwischen Hamburg und Hannover
- - private Reviere im Harz und Harzvorland
Besonders angesprochen sind dabei die Jägerschaften:
- - Lüneburg
- - Lüchow-Dannenberg
- - Harburg
- - Fallingbostel
- - Gifhorn
- - Wolfsburg
- - Helmstedt
- - Osterode
- - Goslar
- - Seesen
Grundsätzlich kann jede Jägerin und jeder Jäger Proben für das Projekt bereitstellen. Für eine effiziente Organisation der Probensammlung und späteren Probenabholung empfiehlt sich jedoch eine Koordination über regionale Ansprechpartner. Wenn Sie Proben beisteuern können, wenden Sie sich bitte an Frau Reinhild Gräber (Kontakt: siehe unten), die die Probensammlung und Probenabholung innerhalb des Projekts koordiniert.
Hintergrund des Projekts
Forschungsarbeiten in Hessen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein der vergangenen Jahre belegen einen engen Zusammenhang zwischen der zunehmenden Fragmentierung der Lebensräume, der Isolation von Rotwildvorkommen und dem Auftreten von Inzucht. Der Verlust genetischer Vielfalt in isolierten Populationen gefährdet die Anpassungsfähigkeit und langfristige Überlebensfähigkeit des Rotwildes.
Vergleichbare Untersuchungen laufen inzwischen auch in weiteren Bundesländern. Um die genetische Situation des Rotwildes umfassend bewerten zu können, werden diese Untersuchungen nun auf Niedersachsen ausgeweitet. Dabei kommen sowohl bereits etablierte genetische Marker und Methoden zum Einsatz, um die Vergleichbarkeit mit den Datensätzen anderer Bundesländer sicherzustellen, als auch neue Verfahren, die noch detailliertere Einblicke in die genetische Struktur der niedersächsischen Rotwildpopulationen ermöglichen.
Ziele des Projekts sind:
- Erhebung der aktuellen genetischen Vielfalt innerhalb der niedersächsischen Rotwildpopulationen.
- Quantifizierung des Genflusses zwischen den Rotwildpopulationen in Niedersachsen und den angrenzenden Regionen, um den aktuellen genetischen Austausch zu erfassen und darzustellen.
- Identifikation von Barrieren und prioritären Wildtierkorridoren. Durch die Analyse des Genflusses können Landschaftsstrukturen erkannt werden, die den genetischen Austausch behindern. Gleichzeitig lassen sich wichtige Wanderkorridore identifizieren und bewerten.
Von der Forschung in die Praxis
Auf Grundlage der Untersuchungsergebnisse sollen konkrete Handlungsempfehlungen entwickelt und in das bestehende Rotwildmanagement integriert werden. Dabei stehen insbesondere Möglichkeiten zur besseren Vernetzung bestehender Rotwildvorkommen im Fokus, wie sie bereits aus der Wildtiererfassung (WTE) bekannt sind.
Der Erfolg des Projekts hängt weiterhin entscheidend von der Unterstützung der niedersächsischen Jägerinnen und Jäger ab. Besonders aus Randbereichen von Rotwildvorkommen sowie aus kleineren Teilpopulationen werden noch zusätzliche Proben benötigt.
Wie kann ich mich als Jägerin oder Jäger beteiligen?
Bitte entnehmen Sie bei erlegten Tieren ein etwa 2 × 2 × 2 cm großes Stück Gewebe, beispielsweise aus der Zunge. Alternativ eignen sich auch Muskulatur, Lunge oder Milz. Geben Sie die Probe in einen Gefrierbeutel. Bitte nur eine Probe pro Beutel und versehen Sie diesen mit einer gut leserlichen, wischfesten Beschriftung, mindestens mit Datum und Erlegeort. Anschließend sollte die Probe eingefroren werden (siehe Infoblatt Probenentnahme).
Die erforderlichen Begleitscheine und weitere Informationen können Sie am Ende dieser Seite herunterladen. Die Abholung der Proben erfolgt durch die Projektpartner.
Die Ergebnisse der Studie werden nach Abschluss des Projekts veröffentlicht. Auf Wunsch können die Resultate zudem in Rotwildhegegemeinschaften oder Jägerschaften durch die beteiligten Wissenschaftler vorgestellt werden.
Das Projekt wird von der Landesjägerschaft Niedersachsen unterstützt und durch Jagdabgabemittel des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz gefördert.
Wir freuen uns über Ihre Mithilfe!
Kontakt
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Dr. Julian Laumeier, Prof. Dr. Dr. habil. Gerald Reiner |
Arbeitskreis Wildbiologie der Justus-Liebig-Universität Gießen, Tel.:01523 4055240 oder julianlaumeier@gmx.de |
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Reinhild Gräber |
Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW), Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover/Landesjägerschaft Niedersachsen, Tel.: 0511 856 7557 oder reinhild.graeber@tiho-hannover.de |
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Prof. Dr. Niko Balkenhol |
Abt. Wildtierwissenschaften, Georg-August-Universität Göttingen, nbalken@gwdg.de |