Zweispaltig

Vorkommen des Waschbären in den niedersächsischen Gemeinden

(%-Anteil der Reviere mit gesichtetem Nachweis)

Quelle: Wildtiererfassung Niedersachsen

Quelle der kartografischen Grundlage: Nds. Landesamt für Ökologie Geosum (Geosumserver Nds. Umweltministerium, Stand 2002)

Charakteristisch für den Vertreter der Kleinbären ist die hohe Anpassungsfähigkeit an verschiedene Lebensräume, die auch der Hauptgrund für seine rasche Ausbreitung in Europa ist.  

Waschbären dringen bis in das Innere der Städte vor und erreichen hier aufgrund der guten Lebensbedingungen die höchsten Populationsdichten. In Kassel wurden beispielsweise Dichten von mehr als 100 Ind./km² nachgewiesen. Generell werden höhlenreiche Altholzbestände als Lebensraum bevorzugt. 

In Niedersachsen kommen Waschbären vor allem im Süden des Landes vor. Sie bilden hier einen Teil einer gesicherten Kernpopulation, die auf eine 1934 durchgeführte Auswilderung im Forstamt Vöhl am Edersee (Hessen) zurückzuführen ist. In der Folge konnte sich der Waschbär in rasanter Geschwindigkeit ausbreiten. Schon im Jahr 1952 konnten Waschbären in Niedersachsen (Kreis Northeim, Hardegsen) nachgewiesen werden. Seiner schnellen Ausbreitung kam der gesetzliche Schutz zugute, der erst 1954 aufgehoben wurde. Mittlerweile gelten Waschbären als heimisch im Sinne des Bundesnaturschutzgesetzes. 

Die Aktionsräume der Waschbären können sehr unterschiedlich sein und deren Größe hängt in erster Linie von der Ressourcenausstattung des jeweiligen Lebensraumes ab. In der Literatur finden sich Angaben von <1 ha bis über 6500 ha. Untersuchungen zu den Aktionsräumen von Waschbären im Stadtgebiet von Kassel haben ergeben, dass diese um das zehnfache kleiner sind als die der nur 45 km Luftlinie entfernten Population in den Wäldern des Solling. Man kann deshalb davon ausgehen, dass das Stadtgebiet von Kassel für Waschbären einen nahezu idealen Lebensraum darstellt. Auch zwischen den Geschlechtern lassen sich Unterschiede bezüglich der Aktionsraumgröße erkennen. Fähen zeigen hier ein ressourcenorientiertes Verhalten und haben im Vergleich zu den Rüden eher kleine Aktionsräume. Die Rüden hingegen halten zu möglichst vielen Fähen Kontakt, um ihren Reproduktionserfolg zu maximieren. Ihre Aktionsräume sind deshalb um einiges größer als die der Fähen. Generell nimmt die Größe der Aktionsräume im Laufe des Jahres ab. In Mitteleuropa kommt der Reduzierung der Bestände durch natürliche Feinde keine besondere Bedeutung zu. 

Wirft man einen Blick in die Verbreitungskarte, erkennt man im Jahresvergleich, dass das Waschbär-Vorkommen sich kontinuierlich und rasant erhöht hat. Die Besiedelung im Land Niedersachsen erfolgte aus dem Süd-Osten und erstreckt sich zunehmend auch in die nördlicheren Regionen. Lediglich ganz im Westen ist der Waschbär nur selten oder gar nicht anzutreffen.