Zweispaltig

Damhirsche kennen keine Zeitumstellung

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Damhirsche kennen keine Zeitumstellung: Damhirsche sind nach Reh und Wildschwein in Niedersachsen am häufigsten in Wildunfälle verwickelt. Besonders jetzt erhöht sich dieses Risiko aufgrund der Brunftzeit beim Damwild. Verschärft wird diese Gefahr durch die Zeitumstellung: Für einige Wochen fällt der Berufsverkehr genau in die Zeit der Dämmerung und damit in die Aktivitätszeit der Wildtiere.

Wenn die Dämmerung eintritt, gehört die Straße nicht mehr nur den Autofahrern: Auf uralten Wildwechseln, die das Damwild schon seit ewigen Zeiten kennt und auf seinen Wanderungen nutzt, quert es Land- und Kreisstraßen auf dem Weg zu den Brunftplätzen. Widrige Witterungsverhältnisse im Herbst erhöhen zudem das Risiko von Wildunfällen – für alle Verkehrsteilnehmer gilt daher besondere Aufmerksamkeit!

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Während der Brunftzeit müssen die Damhirsche körperliche Hochleistung vollbringen. In dieser intensiven Zeit verlassen sie ihren Einstand und ziehen zu den Brunftplätzen, wo die Damtiere bereits warten. Rivalitätskämpfe mit Artgenossen sind an der Tagesordnung. Die Hirsche folgen in der Brunftzeit einzig und allein ihrem Instinkt, sich mit den Damtieren zu paaren.

Dabei gilt: je niedriger die Temperaturen, desto liebeswütiger sind die Damhirsche. Wer jetzt in den Wald geht, kann ihren Brunftschrei auch am Tage hören. Er erinnert eher an ein Rülpsen oder Schnarchen statt an das Röhren des Rothirsches.  Die Hauptvorkommensgebiete des Damwildes in Niedersachsen liegen in den Landkreisen Rotenburg (Wümme), Cuxhaven, Heidekreis und im Emsland.

Kaum eine andere freilebende Tierart hat eine derart interessante Geschichte wie das Damwild. Hiermit ist weniger die Abstammungsgeschichte, als vielmehr die Geschichte der Ausbreitung gemeint, die sich an der engen Beziehung zum Menschen und dessen Entwicklungsgeschichte orientiert. Neben dem Europäischen Damhirsch (Dama dama dama) existiert noch eine weitere Unterart dieser zur Unterfamilie der Echthirsche (Plesiometacarpalia) gehörenden Wildart. Der Mesopotamische Damhirsch (Dama dama mesopotamica) lebt auf ein kleines Rückzugsgebiet im Iran beschränkt. Im Gegensatz zum Europäischen Damhirsch ist das Geweih des Mesopotamischen Hirsches nur ansatzweise verbreitert. Die typische Schaufelbildung ist hier nur schwach ausgeprägt.

Anders als der Europäische Damhirsch ist die mesopotanische Unterart selten. Im Iran gibt es ein halbwild lebendes Rudel. Gleichzeitig werden sie seit 1955 in menschlicher Obhut gezielt nachgezüchtet (Europäisches Erhaltungszuchtprogramm). In Israel hat man mit der Auswilderung und Ansiedlung dieser Hirschart in freier Wildbahn begonnen.

Nach genetischen Studien ist der Damhirsch der nächste Verwandte des bis vor 8.000 Jahren in ganz Europa verbreiteten Riesenhirsches. Demnach gehen die ausgestorbenen Riesenhirsche und die heute noch häufig vorkommenden Damhirsche auf einen gemeinsamen Vorfahren zurück und sind nur weitläufig mit anderen Hirscharten wie dem Rothirsch oder dem asiatischen Sikahirsch verwandt.

Grafik Aufprallgewichte bei Wildunfällen

Quelle: DJV

Biologie

Schaufler im gefleckten Jugendkleid

Damwild unterscheidet sich von den übrigen Hirscharten durch augenfällige Merkmale. Seine Jugendzeichnung, die Punktung der Decke, behält es in der Sommerzeit sein ganzes Leben lang bei. Der lange Wedel erinnert an den nordamerikanischen Weißwedelhirsch. Auffällig ist auch der Größenunterschied der Geschlechter, der als...  Weiterlesen

Verbreitung in Niedersachsen