Einspaltig plus Randspalte

Wildtiere kennen keine Zeitumstellung

©Mross/DJV

Achtung Wild! Heute Nacht stellen wir die Uhren auf Sommerzeit um. Damit erhöht sich die Gefahr von Wildunfällen: Wildtiere kennen keine Zeitumstellung!

Die Uhr wird vorgestellt und damit verschiebt sich auch die Phase der Dämmerungszeit. Eine Stunde, die zwischen Aktivitäts- und Ruhephase zahlreicher Wildtiere entscheidet. Besonders in der Übergangsphase, wenn morgendlicher Berufsverkehr und Morgendämmerung zusammenfallen, steigt die Gefahr von Wildunfällen dann rapide an, denn: Wildtiere kennen keine Zeitumstellung und keine Verkehrsregeln! Sie orientieren sich nicht an Uhren, sondern an den Lichtverhältnissen. Reh, Hirsch und Wildschwein folgen weiterhin ihrem natürlichen Biorhythmus und sind vor allem in den Morgen- und Abendstunden auf den Läufen.

Nach dem Winter und der winterlichen Fastenzeit sind die Notreserven von Pflanzenfressern aufgebraucht: frisches Grün und Streusalzreste locken besonders Rehe an die Straßenränder. Für den Fellwechsel oder als werdende Muttertiere brauchen Wildtiere im Frühling neue Energie und viele Mineralien. Gerade in den Dämmerungsstunden wird die Suche nach Futter an Grünstreifen in Straßennähe dann gefährlich.

Laut aktueller Statistik des Deutschen Jagdverbands gab es im vergangenen Jagdjahr – der Zeit vom 1. April 2016 bis 31. März 2017 – bundesweit knapp 228.500 Wildunfälle. Mit 86 Prozent passieren die meisten Wildunfälle dabei mit Rehwild. Ein Zusammenstoß bei hoher Geschwindigkeit kann verheerende Folgen haben. Ein Reh von nur 20 Kilogramm Gewicht hat bei Tempo 100 ein Auftreffgewicht von fast einer halben Tonne.

Die Landesjägerschaft rät deshalb, die Fahrbahnränder im Auge zu haben, auf Wildwechselschilder zu achten, den Sicherheitsabstand einzuhalten und beim Anblick einzelner Wildtiere mit weiteren Nachzüglern zu rechnen. Angepasste Geschwindigkeit und eine vorausschauende Fahrweise sind wichtig. Kommt es trotz aller Vorsicht zu einem Zusammenstoß, muss die Polizei benachrichtigt werden. Dies gilt auch dann, wenn das Wild geflüchtet ist. Adrenalin und Schockwirkung können dazu führen, dass Wildtiere, die nach einem Zusammenstoß oft schwere innere Verletzungen erleiden, zunächst noch eine Flucht antreten. Die Polizei informiert den zuständigen Jäger, dieser führt mit seinem ausgebildeten Jagdhund die Nachsuche durch.

Achtung Wildunfallgefahr – Die wichtigsten Verhaltenstipps

  • Wird durch Warnschilder “Wildwechsel” angezeigt, sofort Fuß vom Gas, langsam und konzentriert fahren. Wald- und Straßenränder sorgfältig im Auge behalten und bremsbereit sein. (Besonders gefährlich sind neue Straßen, die durch Waldgebiete führen, weil Wild die gewohnten Wechsel beibehält)
  • Taucht Wild am Straßenrand auf: kontrolliert bremsen, abblenden und hupen. Achtung: Wildtiere wie Rehe, Hirsche und Wildschweine sind meist nicht allein unterwegs – immer mit Nachzüglern rechnen!
  • Angepasste Geschwindigkeit und vorausschauendes Fahren
  • Ist eine Kollision mit einem Wildtier unvermeidbar, versuchen Sie keine waghalsigen Ausweichmanöver: Unkontrollierte Fahrmanöver können schlimme Folgen haben. Auch für andere Verkehrsteilnehmer.
  • Nach einem Unfall: Warnblinkanlage einschalten und Unfallstelle absichern. Eigene Sicherheit beachten!
  • Ein verletztes Tier weder berühren noch verfolgen oder gar mitnehmen: Verletzungsgefahr für den Menschen und Todesangst für das Wildtier. Wer sich Wild aneignet, macht sich zudem der Wilderei schuldig.
  • Unfall unverzüglich der Polizei melden – auch wenn das Tier geflüchtet ist; Bescheinigung über den Wildunfall ausstellen lassen, das ist wichtig für die Versicherung.
  • Die Polizei verständigt den zuständigen Jagdausübungsberechtigten, dieser kümmert sich auch um die Nachsuche, sollte ein verletztes Tier geflüchtet sein.

Europaweit Spitze bei der Erfassung von Wildtierbeständen

Niedersachsens Jägerinnen und Jäger sind europaweit Spitze bei der flächendeckenden Erfassung von Wildtierbeständen! Das wichtigste „Werkzeug“ hierbei ist die Wildtiererfassung in Niedersachsen (WTE). Im Jahr 1991 von der Landesjägerschaft Niedersachsen initiiert, wird dieses Programm seither kontinuierlich in Niedersachsen durch die Jägerschaft durchgeführt. Seit mittlerweile 26 Jahre beteiligen sich jährlich bis zu 8.000 Revierinhaber an diesem Wildtiermonitoringprogramm und gewährleisten so eine hohe Beteiligungsrate von über 80%.

Parallel zu der hohen Beteiligung ist auch die flächendeckende Einschätzung und Beurteilung von Wildtierbeständen gesichert, da durch die teilnehmenden Reviere fast 90% der bejagbaren Fläche Niedersachsens abgedeckt werden. Ein weiteres Spezifikum:  Der große Artenkatalog zu dem kontinuierlichen Daten gesammelt und ausgewertet werden – wie Rebhuhn oder Feldhase. Zusätzlich zu den „Kernarten“ der WTE werden andere Wildarten turnusmäßig oder sporadisch erfasst und evaluiert – zu fast allen Wildarten existieren so Daten zu ihrem Vorkommen oder ihrer Populationsdichte.

Insbesondere die Kombination aus diesen Faktoren, also der langfristige Zeithorizont, die hohe flächendeckende Abdeckung und Beteiligungsrate sowie der umfassende Artenkatalog und die wissenschaftliche Evaluierung machen die Daten aus der WTE zu einem einzigartigen Datenpool.   

Der Erfolgsgarant dieses  Wildtiermonitoringprogramms sind  die motivierten und fachkundigen Jäger vor Ort. Die hohe Qualität der Daten aus der WTE wird u.a. durch die Kooperation mit dem Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) der Stiftung Tierärztliche Hochschule gewährleistet. So werden die Daten wissenschaftlich geprüft und ausgewertet. Einschätzungen zu verschiedenen Wildarten werden laufend wissenschaftlich evaluiert und die Erfassungsmethoden verbessert (Hasenzählung, Schalenwilderfassung oder die Rebhuhnzählung).

Die WTE ist zum Vorbild für viele andere Wildtiermonitoringprogramme geworden, unter anderem für das bundesweite Wildtier-Informationssystem der Länder Deutschlands (WILD) im Rahmen dessen der Deutsche Jagdverband Daten aus den Ländern bundeslandübergreifend zusammenfasst und dokumentiert.

Auf europäischer Ebene werden in verschiedenen Ländern meist eher langfristige Erfassungen zu einzelnen ausgewählten Wildarten durchgeführt, wie z.B. das Hasenmonitoring in der Schweiz. Auf einem hohen Niveau ist das Finnish Wildlife Triangle Scheme. Dieses Programm startete bereits 1986 und zählt auf 1500 Probeflächen- verteilt über ganz Finnland- im Winter und Sommer alle beobachteten Tiere.

Grundsätzlich unterscheiden sich Wildtiererfassungsprogramme der Jäger von Konzepten anderer Vereinigungen oder Verbände durch die Kombination ihrer hohen fachlichen Expertise, die wissenschaftliche Evaluation, den großen, zusammenhängenden Artenkatalog sowie ihre hohe flächendeckende Abdeckung und Beteiligungsrate.