WTE – Eine Erfolgsgeschichte

Die besondere Stärke der Wildtiererfassung Niedersachsen (WTE) fußt auf verschiedenen Parametern. Sie ist in dieser Form nicht nur bundesweit einzigartig, sondern muss auch auf europäischer Ebene keinen Vergleich scheuen.

Trotz des innovativen Ansatzes und der Neuartigkeit die die WTE bedeutete, waren die Vorsitzenden der Jägerschaften, die Kreisjägermeister und die Hegeringleiter sehr schnell von der Notwendigkeit der WTE überzeugt und setzten diese vor Ort um: 1991, bereits im ersten Jahr ihrer Durchführung, wurde eine Beteiligungsrate von über 70 % der Reviere erreicht – drei Jahre später stieg der Rücklauf bereits auf 80 bis 90 %. Seither belegen konstant hohe Beteiligungsraten von jenseits der 80 % die hohe flächendeckende Akzeptanz, die die WTE bei den niedersächsischen Revierinhabern genießt. Insgesamt beteiligten sich im Jahr 2019 niedersachsenweit 85 % der Revierinhaber.

Herauszustellen ist, dass insgesamt 21 von 66 Jägerschaften Beteiligungsraten zwischen 95 und 100 % erreichen. Die Landesjägerschaft setzt auf eine freiwillige Beteiligung an der WTE und gibt die Zusage, die Revierdaten nicht an Dritte beziehungsweise nur mit Einwilligung der Revierinhaber weiterzugeben. Der Garant für diese hohen Beteiligungsraten ist daher das enorme Engagement unserer Jägerschaftsvorsitzenden und Hegeringleiter – ihnen gilt unserer besonderer Dank!

Wissenschaftlich fundiert

Die Daten aus der WTE finden partei-, verbands- und institutionsübergreifend hohe Anerkennung und Akzeptanz, da sie wissenschaftlich evaluiert und ausgewertet werden. Von Beginn an übernimmt dies das Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung der Stiftung Tierärztliche
Hochschule Hannover (ITAW) – früher Institut für Wildtierforschung. Seit dem Jahr 1991 ist hierdurch eine wissenschaftliche Durchführung und Auswertung der Daten sowie eine unabhängige Interpretation der Ergebnisse gewährleistet.
Die Revierdaten werden durch das ITAW aufgearbeitet, geprüft und auf Gemeindeebene veröffentlicht. Darüber hinaus sind diese Daten Basis für wissenschaftliche Untersuchungen zur Populationsdynamik und zu den Rückgangsursachen.

Die Wissenschaft hat in den letzten Jahren den großen Wert von langfristigen und umfassenden Daten schätzen gelernt, die von Laien oder sachkundigen Freiwilligen gesammelt werden. Unter dem Begriff „Citizen Science“ gibt es mittlerweile eine Vielzahl von Erfassungsprogrammen, bei denen „Jedermann“ mitmachen kann. Die exzellente Datenqualität der WTE zeichnet sich demgegenüber dadurch besonders aus, dass die Jäger als Datenerfasser hohe Sachkompetenz und Kenntnisse über Wildtierbesätze besitzen sowie durch ihre gute Ortskenntnisse flächendeckend präsent sind – und insofern eben keine Laien im Sinne dieses Konzepts der „Bürgerwissenschaftler“ sind.

Umfassender Artenkatalog und Informationen

Seit Beginn der WTE im Jahre 1991 wurden weit über 200.000 zum Teil mehrseitige DIN-A4-Wildtiererfassungsbögen durch die Jäger in Niedersachsen ausgefüllt, die Daten erfasst und wissenschaftlich aufgearbeitet. Durchschnittlich über 100 Fragen zu den abgefragten Wildtieren beantworten die Jägerinnen und Jäger dabei jedes Jahr.

Neben den jährlich und turnusmäßig abgefragten Wildarten kommen in jedem Jahr speziell ausgewählte andere Arten hinzu. Darüber hinaus werden seit 2010 zu den regelmäßigen Vorkommens- und Besatzerhebungen in den Revieren Fragen zur Jagdausübung und zum Meinungsbild der Jäger zu verschiedenen wildbiologischen Themen gestellt. Unter dem Begriff „human dimension“ haben solche Umfragen seit einigen Jahren in der wildbiologischen Forschung und dem Wildtiermanagement Einzug gehalten. Sie geben wichtige Informationen zum Kenntnisstand und der Einstellung der Befragten.

Wegweisend und Vorbildhaft

Die WTE ist zum Vorbild vieler anderer Monitoringprogramme geworden: Im Jahr 2001 zog der Deutsche Jagdverband (DJV) nach und installierte nach dem Vorbild der WTE das bundesweite Wildtier-Informationssystem der Länder Deutschlands (WILD). Die Landesjagdverbände stellen hierfür aus ihren Erfassungsprogrammen dem DJV Daten für das bundesweite Monitoring zur Verfügung. Die Landesjägerschaft Bremen übernahm 2002 das Konzept der WTE. Andere Bundesländer wie beispielsweise Schleswig-Holstein, Thüringen oder Sachsen- Anhalt zogen nach und installierten ähnliche Erfassungssysteme. Bundesländer, in denen ein Wildtiermonitoring fehlt, sind aufgefordert, solche Programme zu etablieren.

WTE 2.0: In Zukunft auch online

Neben dem klassischen WTE-Erfassungsbogen soll den Revierinhabern in Zukunft auch die Möglichkeit offen stehen, ihre Daten online einzugeben. Die erste Testphase des vergangenen Jahres wird in diesem Jahr intensiviert und ausgebaut,sodass – vorbehaltlich organisatorischer Obliegenheiten in den Landkreisen – ab dem Jahr 2021 die Revierinhaber ihre WTE-Daten auch online eingeben können sollten.

Mitmachen!

Je höher die Beteiligung, desto besser und aussagekräftiger sind die Ergebnisse. Die aus der WTE gewonnenen Daten zu den Wildtierbesätzen und deren Lebensraumbedingungen bilden die Basis für wissenschaftlich fundierte Aussagen zu Wildvorkommen und Bestandsentwicklungen. Damit wir auch weiterhin dieses einzigartige Datenmaterial flächendeckend auf diesem hohen Niveau auswerten können, ist unsere dringende Bitte an die Revierinhaber: Unterstützen Sie Ihren Hegeringleiter und senden Sie ihm, so noch nicht geschehen, fristgerecht bis zum 1. Juni den ausgefüllten Wildtiererfassungsbogen Ihres Reviers zurück.
Die Förderung aus Jagdabgabemitteln des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz sichert die langfristige und qualifizierte Durchführung der WTE.

Text: Erstveröffentlichung Niedersächsischer Jäger 10/2020. Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.

Europaweit Spitze bei der Erfassung von Wildtierbeständen