Zweispaltig

Hege

Die Höhe der Strecke im Herbst und Winter lässt sich kaum durch Hegemaßnahmen beeinflussen. Dennoch kann die Brutpopulation der Waldschnepfen unterstützt und gefördert werden, indem die Landschaft entsprechend der Lebensraumansprüche gestaltet bzw. erhalten wird. Die Bewahrung oder Wiederherstellung bodenfrischer und feuchter Waldpartien mit standorttypischen arten- und strukturreicher Waldvegetation ist essentiell für Waldschnepfen als Bruthabitat. Ökologische und naturnähernde Waldumbaumaßnahmen im Rahmen von Länderprogrammen, wie z. B. das niedersächsische LÖWE (Langfristig ökologische Waldentwicklung), zielen auf einen Umbau von einheitlichen Forstkulturen hin zu artenvielfältigen Mischwäldern. Der Umbau reiner Kiefern- oder Fichtenforste zu Mischwäldern oder Laubmischwäldern, zieht eine Wiederbelebung des Bodenlebens nach sich. In der leichter zersetzbaren, verdaulicheren Laubstreu ist die Dichte an Arthropoden und Würmern als wichtigste Nahrungsquelle für Waldschnepfen wesentlich höher. 

Die Öffnung von Fließgewässerauen und Uferbereichen von Gewässern innerhalb des Waldes und die Förderung der natürlichen Vegetation dieser Standorte, wie die Reetablierung von Erlenbruchwäldern oder verwandter Waldtypen, wirken ebenfalls positiv. Diese frischen bis nassen Biotope sind besonders im Sommer ein wichtiges Nahrungshabitat. Ebenso verbessert der Verzicht auf flächige Entwässerung die Lebensraumqualität für die Waldschnepfe.  

Waldschnepfen suchen nächtens bevorzugt Weiden, die sich allgemein durch eine hohe Erdwurmdichte auszeichnen, zur Nahrungssuche auf und stochern auch häufig gezielt in Kuhfladen nach Gewürm und Kerbtieren. Besonders in Nadelwäldern, wie in den Kiefernwäldern der Lüneburger Heide, finden sich die Waldschnepfen nachts auf Waldwegen ein, wo man sie häufiger auf der nächtlichen Fahrt durchs Revier im Scheinwerferkegel erblicken kann. Hier ist die Nahrungssuche wesentlich Erfolg versprechender als in saurer Nadelstreu und vielfach sind die Gräben entlang der Waldwege ein attraktives Nahrungshabitat. 

Die Überwinterung von Stoppeläckern ist damit nicht nur eine Hegemaßnahme, die Rebhuhn, Feldhase und vielen körnerfressenden Singvogelarten wie der Feldlerche zuträglich ist, sie hilft auch der Waldschnepfe auf dem Durchzug. 

Da die Waldschnepfe zu Beginn des Brutgeschäfts von Mitte März bis Ende April sehr störungsempfindlich ist, sollte alles daran gelegt werden, Beunruhigungen besonders durch freilaufende Hunde, Spaziergänger oder forstwirtschaftliche Aktivitäten zu vermeiden. Vom Gelege verscheuchte Schnepfen bebrüten es in den meisten Fällen nicht weiter. Störungen wie auch der direkte Gelegeverlust gehen natürlich auch von anderen Tierarten aus. Das Schwarzwild und der Fuchs sind hier die Arten, deren Bestandsregulierung auch in diesem Zusammenhang zu berücksichtigen ist.

Bejagung

Entwicklung der Waldschnepfenstrecke in Niedersachsen (inkl. Fallwild)

(Anzahl Individuen)

Quelle: Niedersächsisches Ministerium für den ländlichen Raum, Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Die Jagdzeit für die Waldschnepfe ist in Niedersachsen vom 16. Oktober - 31. Dezember.

In den Jahren bis 2008 verzeichnet Niedersachen eine ansteigende Jagdstrecke für die Waldschnepfe. Dieses wird insbesondere auf die günstigeren Klima- und Habitatbedingungen zurückgeführt. Gute Witterungen und damit ein reichhaltiges Nahrungsangebot verlängern den Zeitraum, den die Durchzügler-Schnepfen in Niedersachsen verbringen.  Das Durchzuggeschehen sowohl auf der Winterflucht als auch auf dem Heimzug im Frühjahr ist bei der Waldschnepfe außerordentlich durch die Witterung bestimmt. Bei einem plötzlichen Wintereinbruch in den nordischen und östlichen Brutgebieten kann es zu einem stoßweisen Durchzug kommen, der in zwei bis drei Tagen abgelaufen sein kann. Sind die Witterung und das Nahrungsangebot in Deutschland jedoch günstig, erweitert sich der Zeitraum des Durchzugs, die Verweilzeit der Durchzieher ist länger und die Anzahl an Lagerschnepfen ist größer. Fällt nun ein Jagdereignis mit einem solchen witterungsbedingten Anschub bzw. einer Stauchung des Durchzugs zusammen, können höhere Strecken erzielt werden.

Heute werden die Waldschnepfen insbesondere in den Niederwildrevieren auf den Treibjagden als Beibeute erlegt. Bevor 1977 die Jagd auf dem Schepfenstrich im Frühjahr EU-weit verboten wurde, konnte man dann sicher sein, dass man das Männchen erlegt, wenn man auf zwei hintereinander fliegende Schnepfen zielte. Denn sieht man zwei hintereinander fliegende Schnepfen, so handelt es sich meist um konkurrierende Männchen.

Bei den Treibjagden werden sie heutzutage beim Durchtreiben von kleinen Wäldern, Feldgehölzen, Feldholzinseln oder Buschland hochgemacht und stellen die Schützen durch ihren unvermittelten Aufflug, eine im Vergleich zur Flugbalz hohe Fluggeschwindigkeit und einen hakenreichen und oft flachen Fluchtflug vor eine Herausforderung. Doch neben den kulinarischen Besonderheiten, sind die Trophäen der Schnepfe, die Malerfeder (verkümmerte 1. Handschwingenfeder) und der Schnepfenbart (Federbüschel an der Pürzeldrüse) beliebt und erhöhen die Attraktivität der Bejagung.