Zweispaltig

Meister der Stimmenimitation

Bis zu 30 verschiedene Ruftypen, einschließlich des Gebells der Hunde, hat der Kolkrabe in seinem Repertoire. Sein Ruf Korrk, Korrk, Korkk ist über weite Entfernungen hörbar. Vermutlich verhalf ihm dieser auch lautmalerisch zu seinem Namen. 1942 wurden nur noch zwei Brutpaare in Deutschland gesichtet. Heute ist er glücklicherweise wieder überall in größeren Waldungen mit angrenzenden Feldern vertreten.

Zu den Unterscheidungsmerkmalen gegenüber der Rabenkrähe zählen der keilförmige Stoß, ein stärkerer Schnabel und eine größere Körperform (Flügelspannweite bis 1,20m).

Der Rabe ist aus vielen Mythen und Märchen bekannt. Nicht nur die Gebrüder Grimm haben ihn in „Sieben Raben“ verewigt, sondern auch bei den Griechen und Römern nahm der Rabe eine besondere, oftmals symbolische Stellung ein. Die Eskimos verehren den Raben auf eine spezielle Weise, denn in ihrer Geschichte erschuf der Rabe Tulukauguk den Stranderbsenstrauch. Aus dessen Schote schlüpfte in der Schöpfungsgeschichte der Eskimos der erste Mensch. Eine Legende erzählt, die Monarchie des gesamten Königreiches von Groß Britannien geht unter, wenn die Raben, die sich im Tower von London befinden, den Tower verlassen. Ihre Flügel werden deswegen gestutzt. Zwischen Februar und Juli 2006 wurden die Raben aus Angst vor der Vogelgrippe im Inneren des Towers gehalten. Das der Kolkrabe ein stolzes Alter erreichen kann, zeigt, dass hier ein Rabe das Alter von 44 Jahren erreicht haben soll. 

Der Kolkrabe führt eine monogame Dauerehe. Trotzdem ist das Paar im Spätwinter bei spektakulären Balzflügen zu beobachten. Zu Zweit wirbeln sie in Loopings oder in Sturz- oder Wellenflügen durch die Luft.

In der Winterjahreszeit ist er auch in Schwärmen anzutreffen – insbesondere auf Müllplätzen, die von ihm majestätisch abgeschritten werden. Der Kolkrabe ist ein Allesfresser, wobei die tierischen Anteile überwiegen. Trotzdem scheint es nur ein Ammenmärchen zu sein, dass er auch Weidetiere töten kann. Es wurde jedoch beobachtet, dass er durch Hacken versucht, Rinder zum Aufstehen zu bewegen, damit sie frischen Kot abgeben. Der Kolkrabe ist als besonders klug und sogar lernfähig bekannt.

Ende Februar bis Anfang März legt das Weibchen dann 4-6 für den großen Vogel extrem kleine Eier in das oft mehrfach genutzte Nest (Reisighorst auf hohen Bäumen oder in Felsnischen). Durch die Mehrfachnutzung wächst das Nest allmählich über die Jahre in die Höhe. Die Kolkraben sind bestimmt keine Rabeneltern, hier handelt es sich um einen Trugschluss. Die Jungvögel hüpfen schon früh während ihrer 40-tägigen Nestlingszeit einmal aus dem Nest und erscheinen dabei sehr unbeholfen. Doch die Eltern würden eher ihr Leben riskieren, als dass den Jungen etwas geschieht.